#MeinSchreibtisch: ZtG at Home I

Mein schöner leerer Arbeitstisch – Ksenia Meshkova

Mein Arbeitstisch zuhause ist schön und leer. Schon von paar Jahren habe ich es mir überlegt, dass ich die Arbeit auf der Arbeit (sprich im ZtG) lassen sollte und mein Zuhause zum Entspannen nutze. Als Doktorandin, die in unterschiedlichen Projekten arbeitet, nebenbei lehrt, Konferenzen organisiert und Artikel im Open Gender Journal betreut, war es mir wichtig, Zeit und Raum zu schaffen, wo ich nicht arbeiten muss. Das hat wunderbar funktioniert – bis Anfang März, wo uns alle die Coronakrise erwischt hat.

Auf meinem Arbeitstisch habe ich deshalb keine Bücher.

Ksenia Meshkovas Schreibtisch
Ksenia Meshkovas Schreibtisch

Vieles von dem, was ich nutze, habe ich zum Glück als PDF. Auch zum Glück habe ich mir angewöhnt, alle Texte und Dokumente, an denen ich gerade schreibe, in unterschiedlichen Clouds zu speichern, sodass ich Zugriff darauf habe. Theoretisch habe ich deshalb die Möglichkeit, sowohl an meiner Dissertation als auch an anderen Projekten weiter zu arbeiten. Jedoch fällt es mir sehr schwer.

Da ich alleine in einer Einzimmerwohnung lebe, habe ich keine Trennung zwischen Arbeits-, Wohn- und Schlafzimmern: Mein Bett lächelt mich ständig an, was dazu führt, dass ich mich doch öfter zum Mittagsschlaf hinlege. Alles, was mich zu kreativer Arbeit inspiriert und mir Ausgleich dazu gibt – sei es Luftakrobatik, Mittagspausen mit Kolleg*innen, Filmfestivals oder Partys – ist in der Quarantäne verboten oder nicht möglich. Außerdem habe ich festgestellt, dass Onlineleben definitiv nichts für mich ist und mich eher frustriert als entlastet. Jedoch wird von uns Akademiker*innen business as usual erwartet. Wir müssen weiterhin Texte produzieren, neue Methoden in der Lehre ausprobieren und Gremienarbeit in den Videokonferenzen weiterführen.

Ich kann es kaum erwarten, bis das normale Leben wiederkehrt und ich meinen schönen leeren Arbeitstisch zu Hause wieder verlasse.

 

Gabriele Jähnert

Ich sitze jetzt wieder an meinem guten alten Schreibtisch, auf dem schon vor über 30 Jahren (oh weh – wie das klingt) meine Dissertation entstanden ist und wo ich ansonsten überwiegend Privates erledige. Jetzt ist er zu meinem ZtG-Schreibtisch geworden.

Gabriele Jähnerts Schreibtisch
Gabriele Jähnerts Schreibtisch

Was hier liegt und was ich hier tue, unterscheidet sich nur wenig von meinem Schreibtisch in der Georgenstraße. Das heißt, es unterscheidet sich schon. Ich habe – so die Idee – vermehrt Zeit, um mich endlich mit den ganzen liegen gebliebenen oder noch nicht in Angriff genommenen Publikationen des ZtG zu beschäftigen: mit einem neuen Bulletin-Texte-Heft, mit Artikeln, die auf sehr guten studentischen Abschlussarbeiten basieren; mit Beiträgen für den Genderblog des ZtG; mit einem geplanten Sammelband, der auf den Ergebnissen der Tagung „Feministische Visionen vor/nach 1989 – Einmischen, Gestalten, Provozieren“ aufbaut oder mit Beiträgen, die ich als eine der Redakteur_innen des Open Gender Journal betreue.

So langsam kommen mir aber Zweifel, ob dafür wirklich mehr Raum als im „normalen“ Alltag sein wird. Denn es gibt auch von diesem Schreibtisch aus weiter viel zu organisieren. Die für das Sommersemester geplanten Veranstaltungen müssen zeitlich verschoben und umgeplant werden, unsere Besprechungen finden weiter, aber jetzt per Telefon und technisch mitunter mühsamer über Videokonferenz-Tools statt und ich schreibe weiterhin gefühlt unentwegt Mails und bin natürlich auch per Telefon für alle anderen Verwaltungsaufgaben und Anfragen erreichbar. Gleichzeitig versuche ich – um selbst stabil zu bleiben – eine Balance zu finden zwischen der Sorge um andere und den gesellschaftlichen Folgen der Corona-Krise sowie dem Ausblenden dieser Szenarien und der Informationsflut in den Medien.

 

Petra Sußner

Zentrum meines Schreibtischs ist mehr denn je der Laptop. Er liegt auf dem dicken The Law of Refugee Status. Zum Arbeiten gibt es Tee aus der großen Calvin & Hobbes Tasse, Kopfhörer und Handcreme sind Corona Symptome. Die Bücher auf meinem Schreibtisch wechseln mit den Tasks, an denen ich arbeite. Ecological Masculinities und – das wieder ausgegrabene – Haß spricht gehören zum Verlängerungsantrag, an dem wir in der Forschungsgruppe Recht-Geschlecht-Kollektivität gerade schreiben. Bei mir wird es um Klimaverfahren gehen und die Frage, was wir hier über noch unsichtbare, rechtlich – vermeintlich – irrelevante  Gender- und Kollektivaspekte lernen können.

Petra Sussners Schreibtisch
Petra Sussners Schreibtisch

Darunter liegt Sarah Elsunis Geschlechtsbezogene Gewalt und Menschenrechte. Es ist mit der Corona Krise auf meinem Schreibtisch gelandet. Das gleiche gilt für die Literatur zur Europäischen Menschenrechtskonvention. Entstanden ist ein Beitrag zur österreichischen ‚Ausgangssperre‘; genauer zu Freizügigkeitsrechten, häuslicher Gewalt und staatlichen Schutzpflichten. Ich komme nämlich aus Wien. Schlussendlich findet sich im Stapel Cengiz Barskanmaz Recht und Rassismus. Da steht eine Rezension für die Kritische Justiz  an und dafür finde ich nun – wie für den Verlängerungsantrag – mehr Zeit.

Die bunten Stifte auf meinem Tisch sind ein Relikt aus meiner Dissertationszeit. Judith Wolfsbergers Tipp, das Spielerische im Schreiben nicht zu vergessen, hat damals richtig gut geholfen. Was ihr nicht seht, ist mein ergonomischer Schreibtischhocker. Den habe ich mir vor dem Shut-Down gekauft. Und dafür bin ich gerade dankbar.

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